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Absurd: „auch Überschriften, Sätze, Satzteile etc.“ schutzwürdig

Samstag, 19. Juni 2010

Es ist schon absurd, was sich Interessenvertreter so ausdenken: Laut einem Blogeintrag auf netzpolitik.org erachten die deutschen Zeitungsverleger, bzw. deren Verbände BDZV (Bundesverband der Zeitungsverleger) und VDZ (Verband deutscher Zeitschriftenverleger) „Überschriften, Sätze, Satzteile etc, soweit sie einer systematischen Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe in Verbindung mit dem Titel des Presseerzeugnisses dienen“ als schutzwürdig.

Werfen wir einen Blick auf die deutsche Sprache, so liefert der Duden ca. 120.000 Einträge, das Fremdwörterbuch noch einmal ca. 60.000 Einträge hinzu, vielleicht noch einmal 100.000 Slangwörter etc. die es nicht in den Duden geschafft haben, macht in der Summe 280.000 Wörter. (jeweils Schätzungen). Wenn eine Überschrift aus 8 Wörtern besteht, so kommen wir auf (280.000 Objekte, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, und 1 Position, Wörter können mehrfach vorkommen) 280.000 hoch 8 + 280.000 hoch 7 + 280.000 hoch 6 etc. Kombinationen.

Beschränkt man sich auf zumindest einigermaßen sinnvolle Kombinationen, so ergibt das zwar immer noch eine ganz schön große Anzahl an Wortkombinationen, aber mit ein bischen linguistischer Intelligenz und programmiererischem Geschick sollte es doch möglich sein, ein paar Milliarden der wahrscheinlichsten Kombinationen zusammenzusetzen. Diese veröffentliche man dann im Internet und da es ja auf die Veröffentlichung und nicht auf die Leserschaft ankommt, verklage man dann alle Zeitungsverleger, die einen Satz aus diesem Fundus verwenden. Schöne neue Urheberwelt.

Aber  vielleicht haben die Verbandsvertreter die Absurdität selbst erkannt, schließlich schreiben diese „… in Verbindung mit dem Titel des Presseerzeugnisses …“. Also muss man dieser gedachten Kombinationsliste noch die Titel möglichst aller Presseerzeugnisse hinzusetzen. Aber dies sind ja, vom Standpunkt der EDV her betrachtet, relativ wenige. Die angesprochene „systematische Vervielfältigung“ kann man sicherlich voraussetzen. Schließlich wird der Verleger sich ja regelmäßig aus dem Fundus bedienen – sonst hätte der Linguist und der Programmierer seinen Job schlecht gemacht.