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„Lenor-Testwochen“ – Datenschutz bei Procter & Gamble

Sonntag, 7. September 2014

Beim Zappen durch die private Fernsehwelt sah ich gestern einen Werbespot der Firma Procter & Gamble für deren Marke „Lenor“. Procter & Gamble  möchte eine neue Waschmittelmarke etablieren und bietet in den „Lenor Testwochen“ „Testen ohne Risiko: Zufrieden oder Geld zurück“. Wie leider inzwischen üblich, fand sich auf dem Bildschirm ein „Sternchen“ mit dem Hinweis auf „Teilnahmebedingungen“, die aus dem Werbespot nicht direkt hervorgingen und die ich mir auf der Webseite – unter Datenschutzgesichtspunkten – einmal genauer angesehen habe. Denn die Erfahrung zeigt, dass auch Konzerne nichts zu verschenken haben.

Datenerfassung mit Papierformular: hui

Procter & Gamble sagt zu, den Kaufpreis des getesteten Produktes zu überweisen, wenn man mit dem Produkt nicht zufrieden ist. Hierzu muss als Kaufnachweis der Kassenbon sowie Kontaktdaten und Bankverbindung zugesandt werden. Hierfür bietet Procter & Gamble zwei Möglichkeiten an:

  1. das Herunterladen, Ausfüllen und Einsenden eines Formulares sowie
  2. das Online-Ausfüllen eines Formulares, bei dem der Scan des Kassenbons hochgeladen wird.

Die Teilnahmebedingungen und das Formular zum Herunterladen fallen positiv auf: Es werden nur die notwendigen Daten erfasst, bei der E-Mail-Adresse wird auf die Freiwilligkeit der Angabe hingewiesen, es wird dargestellt „Die Erhebung Ihrer persönlichen Daten erfolgt ausschließlich im Rahmen dieser Aktion unter Einhaltung der Datenschutzgesetze. Ihre Daten werden nach Rückerstattung des Kaufbetrages wieder gelöscht.“ Da ist sogar der Datenschützer zufrieden.

Online-Formular: eher pfui

Da Procter & Gamble an mehreren Stellen darauf aufmerksam macht, dass sie die Portokosten für die Einsendung des Kassenbons nicht übernähmen, werfe ich einen Blick auf das Online-Formular – und wundere mich. Hier wird Datenschutz offensichtlich nicht ernst genommen, sondern im Gegensatz dagegen verstoßen. Procter & Gamble schreibt in der verlinkten Datenschutzerklärung: „P&G hält die Datenschutzgesetze des jeweiligen Landes ein.“ Leider offensichtlich nicht immer. Im Online-Formular

 

Lenor-Testwochen: Online-Formular

wird

  • die Angabe des Geburtsdatums zwingend gefordert – zusätzlich zu einer Erklärung, dass der Teilnehmer mindestens 18 Jahr alt sei,
  • auch die Angabe der E-Mail-Adresse ist als Pflichtfeld markiert – im Papierformular wird ausdrücklich auf die Freiwilligkeit hingewiesen,
  • das Einverständnis, dass die Daten „elektronisch und für schriftliche, telefonische oder elektronische Marketingaktivitäten und Marktforschung genutzt werden“ dürfen, wird zwingend verlangt:

    Zwangszustimmung zur Werbung

    Zwangszustimmung zur Werbung

Diese Punkte sind nach dem Bundesdatenschutzgesetz BDSG nicht erlaubt.

Ich werde Procter & Gamble bzw. die von Procter & Gamble offensichtlich beauftragte Agentur, denn die auf der Webseite genannte E-Mail-Adresse ist lauf Whois nicht auf Procter & Gamble sondern auf eine Firma „Projekt Service GmbH“ in Mainz registriert, um Stellungnahme bitten und, wenn eine Antwort erfolgt, diese gerne auch hier veröffentlichen.

Mein Rat

Seien Sie als Unternehmen konsequent und konsistent im Datenschutz: positive Eindrücke bekommen sonst schnell einen schalen Beigeschmack und untergraben die Glaubwürdigkeit.