Archiv für die Kategorie: ‘Absurditäten’

Aua: Klingelschilder und DSGVO

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Laut einem Artikel auf bild.de [Ergänzung vom 19.10.2018: Im Laufe des Tages berichteten auch andere Medien darüber.] von heute möchte der Immobilien-Eigentümerverband „Haus & Grund“ seinen 900 000 Mitgliedern empfehlen, die Namensschilder bei vermieteten Wohnungen abzuschrauben und durch Nummern zu ersetzen.

Beim Lesen dieses Artikels habe ich doch sehr große Augen bekommen. Natürlich veröffentlicht der Vermieter einer Mitwohnung den Namen des Mieters, wenn er diesen am Klingelschild anbringt. Und natürlich muss es für eine solche Handlung eine Rechtsgrundlage geben, möglich sind Artikel 6 (1) lit. a der DSGVO, die individuelle Einwilligung des bzw. der Betroffenen, eine vertragliche Verpflichtung zur Veröffentlichung, die der Mieter dem Vermieter aufgegeben hat (Artikel 6 (1) lit. b der DSGVO) oder auch Artikel 6 (1) lit. b der DSGVO, z. B. das berechtigte Interesse des Besuchers, einen Mieter schnell zu finden, das berechtigte Interesse des Vermieters, die Wohnanlage persönlich zu präsentieren etc..

Es wird eine Verfahrensbeschreibung für das Verfahren benötigt, ggf. eine dokumentierte Interessensabwägung und die Information der Betroffenen nach Artikel 13 der DSGVO. Ggf. müssen, wenn einzelne Mieter gegen ihr Namensschild sind, diese Namensschilder entfernt werden. Aber das vorsorgliche Abschrauben aller Namensschilder ist doch sehr übertrieben.

Wenn Sie, lieber Vermieter, Informationen brauchen, z. B. Musterinformationen für das Namensschild, eine Mustereinwilligungserklärung, eine allgemeine Interessensabwägung im Falle der Namensschilder, so wenden Sie sich bitte an mich.

[Ergänzung vom 19.10.2018: Inzwischen gibt es Stellungnahmen mehrerer Landesdatenschutzbeauftragten, die eine Empfehlung, Namensschilder an Klingeln abzuschrauben, ebenfalls für nicht sinnvoll erachten.]

Ergänzung vom 19.10.2018:

Ist die DSGVO für Klingelschilder anwendbar?

Jetzt wird es akademisch mit der Frage, ob die DSGVO für Klingelschilder überhaupt anwendbar ist. Auf heise.de wird die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff zitiert „Das Ausstatten der Klingelschilder mit Namen für sich genommen stellt weder eine automatisierte Verarbeitung noch eine tatsächliche oder beabsichtigte Speicherung in Dateisystemen dar”. Dort wird dann gefolgert, Klingelschilder würden also gar nicht von der DSGVO erfasst. Frau Voßhoff wird wieder zitiert, der Mieter hätte nur „in besonderen Fällen ein Widerspruchsrecht“.

Artikel 2 (1) der DSGVO legt fest „Diese Verordnung gilt für die ganz oder teilweise automatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten sowie für die nichtautomatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten, die in einem Dateisystem gespeichert sind oder gespeichert werden sollen.“ Betrachten wir den Fall der nichtautomatisierten Namensverarbeitung bei den Klingelschildern, so stellt sich die Frage der tatsächlichen Speicherung in einem Dateisystem. Wie ist also die physische Tabelle der Namen neben den Klingeln an der Haustür zu sehen? Ist ein „Dateisystem“ ausschließlich ein „Dateisystem in einem Computer“? Dann würden aber auch Karteikartensammlungen nicht unter die DSGVO fallen und wir hätten den Fall, dass die Verordnung technikabhängig wäre und dies ist nach Erwägungsgrund 15 ausdrücklich nicht gewünscht („Um ein ernsthaftes Risiko einer Umgehung der Vorschriften zu vermeiden, sollte der Schutz natürlicher Personen technologieneutral sein und nicht von den verwendeten Techniken abhängen.“). Schließlich stellte sich dann die Frage, warum, also auf welcher Rechtsgrundlage, der Mieter „in besonderen Fällen ein Widerspruchsrecht“ haben sollte.

Artikel 4 Nr. 6 definiert ein Dateisystem als „jede strukturierte Sammlung personenbezogener Daten, die nach bestimmten Kriterien zugänglich sind, unabhängig davon, ob diese Sammlung zentral, dezentral oder nach funktionalen oder geografischen Gesichtspunkten geordnet geführt wird“. Der Begriff umfasst dabei auch Akten und Aktensammlungen, allerdings nur (Erwägungsgrund 15) für solche Akten oder Aktensammlungen sowie ihre Deckblätter, die nach bestimmten Kriterien geordnet sind. Fehlt es daran, soll eine Akte nicht in den Anwendungsbereich der DS-GVO fallen (Erwägungsgrund 15). Namen auf Klingelschildern in Wohnblöcken sind normalerweise nach Kriterien geordnet (z. B. alle Wohnungen einer Etage nebeneinander etc.), mindestens dadurch, dass sie einem Haus zugeordnet sind. Es ist daher nicht erkennbar, warum Klingelschilder per se nicht unter die DSGVO fallen sollen.

DAZ Datenschutzauskunft-Zentrale: zweifelhaftes Angebot

Montag, 1. Oktober 2018

Ein Kunde von mir bekam heute per Fax ein „offiziell“ aussehendes Schreiben einer „DAZ Datenschutz-Auskunftzentrale“, laut Postanschrift Lehnitzstraße 11 in 16515 Oranienburg. Ähnliche Schreiben kennen Unternehmer für Eintragungen in zweifelhafte Unternehmensregister, Gewerberegister etc. Bei diesen üblichen Schreiben werden Einträge in Datenbanken für hohe Preise verkauft und die Absender hoffen offensichtlich darauf, dass das „Angebot“ nicht komplett gelesen wird.

Bei diesem Angebot werden nun zum Preis von 498 € pro Jahr zzgl. MwSt mit einer Mindestlaufzeit von drei Jahren Vordrucke und Muster angeboten, deren Wert ich mangels Kenntnis der Unterlagen nicht beurteilen kann. Doch schon auf Grund der Aufmachung warne ich vor einer Antwort auf dieses Schreiben der DAZ Datenschutz-Auskunftzentrale, nach meinem Eindruck handelt es sich um „Bauernfängerei“.

Nur am Rande sei noch erwähnt, dass solche Werbung bzw. Angebote per Fax rechtswidrig sind. Absendernummer des Faxes war 00800 77 000 777, dorthin sollen auch Antworten geschickt werden.

Aus dem Schreiben geht an keiner Stelle hervor, wer wirklich der Vertragspartner sein soll, wer oder was also die „DAZ Datenschutz-Auskunftzentrale“ ist. Es bestehen daher erhebliche Zweifel, dass auch bei einer Antwort hierdurch ein rechtsgültiger Vertrag zustande kommt.

„Lenor-Testwochen“ – Datenschutz bei Procter & Gamble

Sonntag, 7. September 2014

Beim Zappen durch die private Fernsehwelt sah ich gestern einen Werbespot der Firma Procter & Gamble für deren Marke „Lenor“. Procter & Gamble  möchte eine neue Waschmittelmarke etablieren und bietet in den „Lenor Testwochen“ „Testen ohne Risiko: Zufrieden oder Geld zurück“. Wie leider inzwischen üblich, fand sich auf dem Bildschirm ein „Sternchen“ mit dem Hinweis auf „Teilnahmebedingungen“, die aus dem Werbespot nicht direkt hervorgingen und die ich mir auf der Webseite – unter Datenschutzgesichtspunkten – einmal genauer angesehen habe. Denn die Erfahrung zeigt, dass auch Konzerne nichts zu verschenken haben.

Datenerfassung mit Papierformular: hui

Procter & Gamble sagt zu, den Kaufpreis des getesteten Produktes zu überweisen, wenn man mit dem Produkt nicht zufrieden ist. Hierzu muss als Kaufnachweis der Kassenbon sowie Kontaktdaten und Bankverbindung zugesandt werden. Hierfür bietet Procter & Gamble zwei Möglichkeiten an:

  1. das Herunterladen, Ausfüllen und Einsenden eines Formulares sowie
  2. das Online-Ausfüllen eines Formulares, bei dem der Scan des Kassenbons hochgeladen wird.

Die Teilnahmebedingungen und das Formular zum Herunterladen fallen positiv auf: Es werden nur die notwendigen Daten erfasst, bei der E-Mail-Adresse wird auf die Freiwilligkeit der Angabe hingewiesen, es wird dargestellt „Die Erhebung Ihrer persönlichen Daten erfolgt ausschließlich im Rahmen dieser Aktion unter Einhaltung der Datenschutzgesetze. Ihre Daten werden nach Rückerstattung des Kaufbetrages wieder gelöscht.“ Da ist sogar der Datenschützer zufrieden.

Online-Formular: eher pfui

Da Procter & Gamble an mehreren Stellen darauf aufmerksam macht, dass sie die Portokosten für die Einsendung des Kassenbons nicht übernähmen, werfe ich einen Blick auf das Online-Formular – und wundere mich. Hier wird Datenschutz offensichtlich nicht ernst genommen, sondern im Gegensatz dagegen verstoßen. Procter & Gamble schreibt in der verlinkten Datenschutzerklärung: „P&G hält die Datenschutzgesetze des jeweiligen Landes ein.“ Leider offensichtlich nicht immer. Im Online-Formular

 

Lenor-Testwochen: Online-Formular

wird

  • die Angabe des Geburtsdatums zwingend gefordert – zusätzlich zu einer Erklärung, dass der Teilnehmer mindestens 18 Jahr alt sei,
  • auch die Angabe der E-Mail-Adresse ist als Pflichtfeld markiert – im Papierformular wird ausdrücklich auf die Freiwilligkeit hingewiesen,
  • das Einverständnis, dass die Daten „elektronisch und für schriftliche, telefonische oder elektronische Marketingaktivitäten und Marktforschung genutzt werden“ dürfen, wird zwingend verlangt:

    Zwangszustimmung zur Werbung

    Zwangszustimmung zur Werbung

Diese Punkte sind nach dem Bundesdatenschutzgesetz BDSG nicht erlaubt.

Ich werde Procter & Gamble bzw. die von Procter & Gamble offensichtlich beauftragte Agentur, denn die auf der Webseite genannte E-Mail-Adresse ist lauf Whois nicht auf Procter & Gamble sondern auf eine Firma „Projekt Service GmbH“ in Mainz registriert, um Stellungnahme bitten und, wenn eine Antwort erfolgt, diese gerne auch hier veröffentlichen.

Mein Rat

Seien Sie als Unternehmen konsequent und konsistent im Datenschutz: positive Eindrücke bekommen sonst schnell einen schalen Beigeschmack und untergraben die Glaubwürdigkeit.

 

 

Weitverbreitete Unwissenheit

Dienstag, 16. August 2011

Ein Kunde bekam heute einen Anruf eines Softwaredistributors. Im Gespräch kam heraus, dass dieser Distributor die Kontaktdaten, inklusive personenbezogener Daten, von seinem Hersteller bekommen hatte. Somit ein eindeutiger Fall der Datenweitergabe. Natürlich hatte mein Kunde dem Hersteller,  der bei der Nutzung der Produkte persönliche Daten verlangt, keine Einwilligung zur Datenübertragung gegeben.

Die Rückfrage bei dem Hersteller führte dann zu großem Erstaunen. Zum einen sei dafür Finnland zuständig, schließlich sei man ein finnisches Unternehmen (wohlgemerkt, eine deutsche GmbH mit 16 Mitarbeitern), und zum anderen habe man keinen Datenschutzbeauftragten.

Dies ist ein leider fast typischer Fall. Ob in dem Unternehmen ein Datenschutzbeauftragter vorhanden sein muss, kann aus der Ferne nicht überprüft werden – obwohl bei einem Vertriebsunternehmen mit 16 Mitarbeitern schon davon ausgegangen werden kann, dass mehr als 9 Personen ständig mit den personenbezogenen Daten umgehen. Sicher ist jedoch, dass die Mitarbeiter ungenügend informiert und damit ungenügend geschult sind. Und sicher ist damit auch, dass sich die Geschäftsleitung sich ihrer Aufgaben offensichtlich nicht bewusst ist.

Mein Rat an alle Unternehmen dieser Größenordnung: Lassen Sie sich kompetent beraten. Eine regelmäßige Unterstützung in Datenschutzfragen ist bereits ab 50 € / Monat realisierbar, eine sinnvolle Investition.

Facebook und Datenschutzbeauftragte

Sonntag, 12. Juni 2011

Es ist manchmal schon etwas haarsträubend, welche Blüten das Werbeinteresse so treibt. In meinem vorheringen Blogeintrag habe ich auf die Problematik von Facebook-HInweisen auf der eigenen Webseite hingewiesen. Eigentlich sollte sich jeder, der sich beruflich mit dem Datenschutz in Deutschland beschäftigt, dieser Problematik bewusst sein.

Umso erstaunlicher ist es, das ich bei einer Stichprobe bei einigen Webseiten von betrieblichen Datenschutzbeauftragten genau solche Links gefunden habe: Entweder war der Originalcode von Facebook eingebunden, häufiger waren jedoch Bilder, die von der Facebook-Seite stammen, eingebunden.

Eingebunden wurde das Bild mit diesem Code:

 

Daher hier noch einmal der technische Hinweis: Auch wenn nur ein Bild von einem fremden Server, in diesem Fall Facebook, eingebunden wird, so findet trotzdem eine Anfrage an diesen fremden Server statt. Dieser hat, auch bei nur einem Bild, die Möglichkeit, die Daten des Besuchers mitzuschreiben, Cookies zu setzen und zu lesen etc.

Um niemanden konkret „anzuschwärzen“ habe ich die Namen der Webseiten und der Webseitenbetreiber verpixelt. Trotzdem mein Appell an alle Datenschutzbeauftragten: Lasst uns mit gutem Beispiel im Datenschutz vorangehen!

AGB von Xing: Stellungnahme von Xing

Montag, 31. Januar 2011

Heute traf doch noch eine Stellungnahme von Xing ein, verschickt von Yee Wah Tsoi, Junior Manager Corporate Communications, und laut seiner Aussage stammend von Timo Möbius, Xing-Datenschutzbeauftragter. Leider brachte diese Stellungnahme kein wirkliches Licht in die AGB – eher eine Bestätigung dessen, dass Xing Handlungen von Menschen außerhalb der eigenen Plattform durch Ausschluss maßregeln möchte:

Aus diesem Grund behalten wir uns das Recht vor, Nutzer, die mit ihren Handlungen auf der Plattform und außerhalb dieser anderen Schaden zufügen könnten, nach eingehender individueller Prüfung von der Mitgliedschaft auszuschließen.

Gewagt ist die Aussage, man bräuchte für einen Ausschluss „eindeutige Beweise, z.B. gerichtliche Beschlüsse“. Nach den AGB sind diese „eindeutigen Beweise“ nicht notwendig.

Ferner beruft sich Herr Möbius auf die Aussage der Stiftung Warentest, die den Xing-AGB lediglich „sehr geringe“ Mängel bescheinigt habe. Die Stiftung Warentest beschäftige sich jedoch primär mit dem Umgang der Netzwerke mit den von den Nutzern mitgeteilten Daten. Die von mir angesprochenen Punkte waren also nicht Gegenstand der Betrachtung. Und „sehr gering“ wurden die Mängel in den AGB hinsichtlich unwirksamer Klauseln bewertet. Der Vollständigkeit sei hier noch erwähnt, dass die test-Gesamtbewertung „deutliche Mängel“ lautete.

Danach zitiert Herr Möbius noch einmal aus mir unbekanntem Grund ausführlich die eigenen AGB. Nachfolgend der komplette Wortlaut der Antwort, schließlich hatte ich die Veröffentlichung als Stellungnahme Xing zugesagt.

Sehr geehrter Herr Dr. Ludwig,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Anbei erhalten Sie die Erklärung von unserem
XING-Datenschutzbeauftragten Timo Möbius:

„XING als Business-Netzwerk ist ein vertrauenswürdiges Umfeld, in dem unsere
Nutzer lohnende Geschäfte, spannenden Austausch oder einfach Kommunikation mit
Kollegen betreiben können. Die Voraussetzung all dessen ist die sichere Nutzung
unseres Netzwerks. Daher möchten wir unsere Mitglieder vor unseriösen Nutzern
schützen. Unsere AGB geben uns dabei vielfältige Mittel an die Hand, um gegen
XING-Mitglieder vorzugehen, die gesetzliche Vorschriften oder Rechte Dritter
verletzen. Allerdings benötigen wir hierzu eindeutige Beweise, z.B. gerichtliche
Beschlüsse. Selbstverständlich ist es uns nicht möglich, jede mögliche Form eines
schweren Verstoßes in den AGB aufzulisten. Aus diesem Grund behalten wir uns das
Recht vor, Nutzer, die mit ihren Handlungen auf der Plattform und außerhalb dieser
anderen Schaden zufügen könnten, nach eingehender individueller Prüfung von der
Mitgliedschaft auszuschließen. Es ist jedoch äußerst selten, dass wir Mitgliedern
aufgrund dieser Verstöße kündigen müssen. 

Übrigens hat die Stiftung Warentest im März 2010 die AGB verschiedener
Online-Netzwerke überprüft. Unsere AGB haben gut abgeschnitten („sehr geringe“
Mängel).
Der Vollständigkeit halber, möchte ich darauf hinweisen, dass der Punkt 6.3 aus
den AGB der XING AG in Gänze die folgenden Punkte beinhaltet (siehe:
https://www.xing.com/app/user?op=tandc#6): 

`6.3 Ein wichtiger Grund für XING liegt insbesondere dann vor, wenn die
Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zum Ablauf der gesetzlichen
Kündigungsfrist für XING unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und
unter Abwägung der Interessen von XING und des Nutzers nicht zumutbar ist.
Wichtige Gründe sind insbesondere die folgenden Ereignisse:

Nichteinhaltung gesetzlicher Vorschriften durch den Nutzer,

Verstoß des Nutzers gegen seine vertraglichen Pflichten, insbesondere aus Ziffer 2
und 4 dieser AGB, der Ruf der auf den XING-Websites angebotenen Dienste wird durch
die Präsenz des Nutzers erheblich beeinträchtigt (z. B., wenn sich nach
Registrierung des Nutzers herausstellt, dass der Nutzer wegen einer vorsätzlichen
Straftat rechtskräftig verurteilt ist und anderen Nutzern diese Verurteilung
bekannt ist);

der Nutzer wirbt für Vereinigungen oder Gemeinschaften – oder deren Methoden oder
Aktivitäten –, die von Sicherheits- oder Jugendschutzbehörden beobachtet werden;

der Nutzer schädigt einen oder mehrere andere Nutzer oder

der Nutzer ist Mitglied einer Sekte oder einer in Deutschland umstrittenen
Glaubensgemeinschaft.`“

Mit freundlichen Grüßen

Yee Wah Tsoi

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Yee Wah Tsoi
Junior Manager Corporate Communications

AGB von Xing: Fragwürdig.

Dienstag, 18. Januar 2011

Heute las ich die AGB von Xing

relevante Zitate der Xing-AGB

relevante Zitate der Xing-AGB

einmal genauer durch – und stieß dabei auf sehr zweifelhafte Klauseln. Es ist ja verständlich, dass ein Internet-Unternehmen nicht möchte, dass seine Plattform für kriminelle Aktionen missbraucht wird. Ein Passus, dass die

„Nichteinhaltung gesetzlicher Vorschriften durch den Nutzer“

ein außerordentliches Kündigungsrecht darstellt, ist daher evtl. verständlich. Auch wenn dies meines Erachtens nach extrem unverhältnismäßig sein kann, schließlich ist der Begriff der „Nichteinhaltung gesetzlicher Vorschriften“ extrem flexibel formuliert und ich behaupte, dass kaum ein Nutzer von Xing sich in seinem Leben an alle ihn betreffenden gesetzlichen Vorschriften gehalten hat. Und das Parkknöllchen als Kündigungsgrund bei Xing? Absurd! Aber Xing hält sich diese Möglichkeiten offensichtlich offen, denn sie schreiben eben nicht „Nichteinhaltung gesetzlicher Vorschriften bei seinen Veröffentlichungen über oder auf Xing“.

Sehr zweifelhaft ist auch der folgende „wichtige Grund“:

„der Nutzer wirbt für Vereinigungen oder Gemeinschaften – oder deren Methoden oder Aktivitäten –, die von Sicherheits- oder Jugendschutzbehörden beobachtet werden;“

denn auch hier ist keine Einschränkung auf die Plattform gegeben. Z. B. wird die Partei „Die Linke“ und werden deren Bundestagsabgeordnete  zur Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet. Und ich denke, die Abgeordneten der Partei werden Werbung sowohl für sich als auch für ihre Partei machen.  Damit werben sie für eine Vereinigung, die „von einer Sicherheitsbehörde beobachtet“ wird. Interessanterweise sind trotzdem einige Mitglieder der Linken bei Xing offen vertreten – suchen Sie einmal nach „Die Linke“ in Xing (die Anführungszeichen mit eingeben).

Doch es geht noch weiter:

der Nutzer ist Mitglied einer Sekte oder einer in Deutschland umstrittenen Glaubensgemeinschaft

ist ebenfalls ein wichtiger Grund für eine Kündigung. Man mag zu Sekten stehen, wie man will und „umstrittene Glaubensgemeinschaften“ gibt es sicherlich viele in Deutschland – zumal nicht klar gestellt ist, wer hier streitet, der Xing-Vorstand?

Man kann sich auf den Standpunkt stellen, im Rahmen der Privatautonomie stehe es Xing frei, sich seine Kunden auszusuchen. Aber in den beschriebenen Passi geht es nicht um die Aufnahme einer Geschäftsbeziehung, sondern um einen wichtigen Kündgungsgrund, also um schon eine bestehende Geschäftsbeziehnung. Und dann sind andere Maßstäbe anzulegen. Zumal insbesondere der zuletzt zitierte Punkt mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und dort der Religionsfreiheit wohl kaum in Einklang zu bringen ist.

Nun kann es sich ja um extrem schlechte Formulierungen handeln. Ich habe die Xing AG angeschrieben und bin auf die Stellungnahme gespannt.

Absurd: „auch Überschriften, Sätze, Satzteile etc.“ schutzwürdig

Samstag, 19. Juni 2010

Es ist schon absurd, was sich Interessenvertreter so ausdenken: Laut einem Blogeintrag auf netzpolitik.org erachten die deutschen Zeitungsverleger, bzw. deren Verbände BDZV (Bundesverband der Zeitungsverleger) und VDZ (Verband deutscher Zeitschriftenverleger) „Überschriften, Sätze, Satzteile etc, soweit sie einer systematischen Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe in Verbindung mit dem Titel des Presseerzeugnisses dienen“ als schutzwürdig.

Werfen wir einen Blick auf die deutsche Sprache, so liefert der Duden ca. 120.000 Einträge, das Fremdwörterbuch noch einmal ca. 60.000 Einträge hinzu, vielleicht noch einmal 100.000 Slangwörter etc. die es nicht in den Duden geschafft haben, macht in der Summe 280.000 Wörter. (jeweils Schätzungen). Wenn eine Überschrift aus 8 Wörtern besteht, so kommen wir auf (280.000 Objekte, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, und 1 Position, Wörter können mehrfach vorkommen) 280.000 hoch 8 + 280.000 hoch 7 + 280.000 hoch 6 etc. Kombinationen.

Beschränkt man sich auf zumindest einigermaßen sinnvolle Kombinationen, so ergibt das zwar immer noch eine ganz schön große Anzahl an Wortkombinationen, aber mit ein bischen linguistischer Intelligenz und programmiererischem Geschick sollte es doch möglich sein, ein paar Milliarden der wahrscheinlichsten Kombinationen zusammenzusetzen. Diese veröffentliche man dann im Internet und da es ja auf die Veröffentlichung und nicht auf die Leserschaft ankommt, verklage man dann alle Zeitungsverleger, die einen Satz aus diesem Fundus verwenden. Schöne neue Urheberwelt.

Aber  vielleicht haben die Verbandsvertreter die Absurdität selbst erkannt, schließlich schreiben diese „… in Verbindung mit dem Titel des Presseerzeugnisses …“. Also muss man dieser gedachten Kombinationsliste noch die Titel möglichst aller Presseerzeugnisse hinzusetzen. Aber dies sind ja, vom Standpunkt der EDV her betrachtet, relativ wenige. Die angesprochene „systematische Vervielfältigung“ kann man sicherlich voraussetzen. Schließlich wird der Verleger sich ja regelmäßig aus dem Fundus bedienen – sonst hätte der Linguist und der Programmierer seinen Job schlecht gemacht.