Bing „Streetside“: Microsoft möchte „den Bock zum Gärtner machen“

Die Haare habe ich mir gerade gerauft, als ich in einer Heise-Online-Meldung las, „einen Vorab-Widerspruch sehen die Pläne von Microsoft zur Zeit nicht vor“ und „Die Firma orientiert sich am Datenschutzkodex für Geodatendienste, den der Branchenverband Bitkom ausgearbeitet hat und zu dessen Unterzeichnern Microsoft zählt.“

Das Prinzip lautet also, man

  1. schaffe sich selbst seinen eigenen Kodex,
  2. propagiere diesen in der Presse möglichst als „Standard“ und
  3. stelle dann fast, dass man diesen ja einhalte.

Mein Kommentar dazu: Vom Marketing her ein netter Versuch, trotzdem hahnebüchen.

Interessant ist, wer hinter diesem Kodex steht (laut http://www.bitkom.org/de/themen/50792_66098.aspx):

Der Selbstverpflichtungsentwurf wurde insbesondere von folgenden Unternehmen erarbeitet: Deutsche Post DHL, Deutsche Telekom, ED Encourage Directories, Google, Microsoft, Nokia, Panolife, Panogate sowie als Experten für das Thema Selbstregulierung unterstützt von der Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia e.V.

Leider ist sind keine Datenschutzexperten dabei, lediglich Experten „für das Thema Selbstregulierung“.

Dass Microsoft den Begriff Datenschutz nicht verstanden hat, zeigt dann auch das folgende Zitat

Bei Vorab-Einsprüchen hätte man stattdessen erst eine Datenbank mit den Einsprüchen und den Adressen der Protestler aufbauen müssen, was dem Datenschutz wiederum einen Bärendienst erweisen könnte.

Klar kann man mit Daten eine Datenbank aufbauen – muss man aber nicht. Warum muss man die Einsprüche der Protestler erst sammeln? Ist des denn technisch oder organisatorisch nicht möglich, bei einem Einspruch diesen direkt zu überprüfen und den Bilddatensatz zu löschen (oder zu verpixeln)? Doch selbst wenn eine solche Datenbank notwendig wäre, so wäre diese nur von kurzzeitiger Notwendigkeit. Davon abgesehen, ist selbst bei einer Sammlung keine Datenbank notwendig, die Namen und Adressen verknpüft. Schließlich bieten die Möglichkeiten der Pseudonymisierung genügend Möglichkeiten, in Streitfällen die notwendigen Rückschlüsse zu ziehen ohne die Daten gemeinsam zu speichern.

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